Warum ich schreibe
Ich schreibe, weil ich so gern quassle.Klingt blöd? Aber es ist tatsächlich ein Grund von vielen.Vor dem Schreiben kam das Lesen lernen und davor das Zuhören.Ich höre gern Geschichten und ich erzähle gern Geschichten. Gott sei Dank gibt es so viele Geschichten, beinahe unendlich viele. Dieser Stoff wird mir nie ausgehen.
Supplement
Nein, ich meine nicht die Nahrungsergänzung.
Ich meine das Supplement, das mir in Restaurants nach einem feinen Essen angeboten wird, das absolut ausreichend war, aber so gut geschmeckt hat. Bei einer grösseren Tischgesellschaft wird von freundlichem Personal ein Servierwagen hereingefahren und reihum werden alle Gäste und auch ich gefragt, ob wir ein solches Supplement möchten. Weil das Essen so gut war, widerstehe ich der Versuchung selten und bejahe.
Genau dieses Supplement meine ich. Eine Zugabe, die eigentlich gar nicht nötig ist. Eine Zugabe, obschon ich schon genug bekommen habe.
Betet ihr manchmal etwas? Wenn es nicht gut ist im Leben, habt ihr dann so ähnliche Gedanken wie … Wenn er (oder sie) nur zu mir zurückkommt, wenn das entlaufene Haustier nur wieder auftaucht, lebendig und gesund, wenn nur die Zeit der Prüfungen vorbei ist und ich erfolgreich war, wenn ich nur ein Meerschweinchen bekomme, wenn nur, wenn nur, wenn nur – dann ist alles gut, dann bin ich zufrieden und werde nicht mehr bitten, betteln, wünschen und hoffen.
Doch wie es so ist: Wird ein Wunsch erfüllt, ist man überglücklich bis zum nächsten offenen Wunsch. So geht es mir auch. Eines Abends aber, als ich die grosse Macht wieder um die Erfüllung eines Wunsches bat, wurde es mir bewusst! Eigentlich wurde mir in meinem Leben schon so vieles geschenkt. Schwere Zeiten gingen vorbei und Verzweiflung machte der Erleichterung Platz. Ich habe wahrhaftig Grund genug, einfach nur noch dankbar zu sein. Natürlich löste sich mein Wunsch an dem Abend nicht in Luft auf. – Wir entwickeln uns von einem Wunsch zum nächsten und möchten gern so gut wie möglich leben. – Aber mir kam der Gedanke des Supplements. Ich erkannte, dass eigentlich alles Gute, das mir jetzt noch widerfährt, eine Zugabe ist. Ich bin zufrieden; es geht mir heute besser als gestern. Seit diesem Abend versuche ich, mich bei neuen Begehrlichkeiten an die Zugaben zu erinnern, die ich schon erhalten habe. Sie geben mir genügend Grund, dankbar zu sein, auch wenn nicht alles perfekt ist in meinem Leben.
Danke, danke, danke!

